“Wer gerne liest, kommt gerne wieder”

Im Gespräch mit Angelika Jobst, Leitung der Stadtteilbibliothek Ofenerdiek.

Die Stadtteilbibliothek in Ofenerdiek feiert 2022 ihr 50-jähriges Jubiläum – über 30 Jahre davon wird sie von Angelika Jobst geleitet. Dazu kommt das 10-jährige Bestehen in den jetzigen Räumlichkeiten. Grund genug, einmal ein Fazit zu ziehen.

HUGO: Frau Jobst, die Stadtteilbibliothek feiert in diesem Jahr rundes Jubiläum. Sie haben seit letztem Jahr genau 30 Jahre die Leitung inne. Was hat sich seitdem geändert?

Angelika Jobst: Tatsächlich ist vieles anders geworden. Allerdings: Bücher gibt es weiterhin und sie werden nach wie vor gelesen. Es fallen aber Segmente weg, Sachbücher für Jugendliche zum Beispiel, weil mittlerweile viel digital genutzt wird. Dafür sind andere Medienarten dazugekommen: Kassetten, CDs, heute sind es zum Beispiel die Tonies für die Tonie-Boxen. Die Zeiten ändern sich und wir versuchen, unsere Kund:innen dabei so gut es geht zu begleiten.

HUGO: Wie reagiert die Bibliothek auf die Digitalisierung?

Jobst: Auch wenn wir feststellen, dass die Anzahl der Kund:innen konstant bleibt, sind sie nicht mehr ausschließlich analog unterwegs. Dafür haben wir die Onleihe, über die unsere Kund:innen eBooks, eAudios und andere digitale Medien ausleihen können. Es gibt auch Kund:innen, die „Bibliotheksauszeiten“ nehmen und die Bücherei wiederentdecken, wenn sie älter geworden sind. Denn: wer gerne liest, kommt gerne wieder. Letzte Woche war eine Leserin mit ihrem 6-jährigen Kind da. Die sagte zu mir „Als ich so klein war, war ich auch schon hier.“

HUGO: Seit 10 Jahren befinden Sie sich nun an dem neuen Standort in der Grundschule Ofenerdiek. Wie kam es zum
Standortwechsel?

Jobst: Wir sind schon seit Oktober 1972 am Standort in der Grundschule Ofenerdiek, waren aber im hinteren Bereich des Schulgebäudes. Mit dem Umzug in den Gebäudeteil zur Straßenseite sind wir nun sichtbarer. Wir sehen uns als Nachbarschaftsbibliothek, sind also für alle Bewohner:innen des Stadtteils und umzu ein Ort des Lesens, der Begegnung und vieles mehr. 1972 haben wir mit 3.000 Büchern begonnen. Auf den 130 m² konnten wir die Medien weder schön präsentieren noch hatten wir Platz für größere Veranstaltungen. Nun haben wir insgesamt ca. 400 m² und können den Medienbestand (zwischen 18.000 und 20.000 Medien) auf etwa 300 m² präsentieren. Wir haben ausreichend Platz für Veranstaltungen, Leseecken, Präsentationen … Die Räume sind heller und übersichtlicher – wir fühlen uns hier sehr wohl.

HUGO: Was hat Corona am Bibliotheksalltag geändert?

Jobst: Natürlich mussten wir, wie alle öffentlichen Einrichtungen, im 1. Lockdown komplett schließen. Rückgaben der Medien waren möglich. Im 2. Lockdown konnten wir, neben der Rückgabemöglichkeit, online oder telefonische Bestellungen anbieten, die auch von vielen Kunden:innen genutzt wurden. Nach einer Öffnungsphase zwischen dem 1. und 2. Lockdown haben wir seit März 2021 wieder unsere normalen Öffnungszeiten. Im Herbst konnten wir sogar wieder einige Schulklassen zu kurzen Einführungen mit einem Bilderbuchkino begrüßen. Es gelten z.Z. die 3G-Regeln, außerdem gibt es einen begrenzten Zugang für max. 26 Personen und eine Maskenpflicht.

HUGO: Wie geht es weiter mit der Stadtteilbibliothek?

Jobst: Gerade durch Corona haben wir gelernt, uns den Gegebenheiten anzupassen. Wir versuchen auch immer mehr,
digitale Alternativen anzubieten. Für Kitas und Schulen wurden Bilderbuchkinos, Bibliotheksschulungen u.v.m. angeboten. Dies ist im Moment nicht möglich. Viele Kinder lernen die Bibliothek und ihr Angebot daher nicht kennen. Deshalb liegt unser Fokus gerade darauf, zu erforschen: Wie erreichen wir unsere Kund:innen und welche Wünsche und Bedürfnisse haben sie? Das gilt für Kinder und Erwachsene. Dabei müssen wir auch darauf achten, nicht nur digital unterwegs zu sein. Es gibt noch genug Kund:innen, gerade Senior:innen, die das Internet und digitale Medien überhaupt nicht oder nicht so selbstverständlich nutzen. Wir hoffen, durch Befragungen der Nutzer:innen, aber auch Nichtnutzern der Bibliothek einen zeitgemäßen Ort zu schaffen. Und darauf freue ich mich.


(Interview: Merle Werkmeister, Fotos: Stadtbibliothek Ofenerdiek)

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