Sie leben den Traum vieler: Die Zwillingsbrüder Hansen und Paul Hoepner gehen leidenschaftlich gerne auf Abenteuerreise. Einst ging es mit dem Rad rund 13.600 Kilometer von Deutschland nach Shanghai. Später reisten die beiden ohne Geld in 80 Tagen um die Welt. Jetzt wollen sie mit einem selbstgebauten und nur pedalbetriebenen Amphibienfahrzeug Alaska durchqueren. Was die beiden gebürtigen Baden-Württemberger antreibt, wen sie mit ihren Geschichten begeistern wollen und was sie mit Bad Zwischenahn verbinden, das haben sie uns bei einem persönlichen Interview in Berlin erzählt.
Ihr erscheint beide mit vollgepackten Rucksäcken zum Interview.
Von welcher Reise seid Ihr gerade zurück?
Hansen: Es ist keine weite Reise, wir kommen gerade aus dem Harz. Dort haben wir die Spendengala einer Stiftung unterstützt, die uns am Herzen liegt. Allein durch unseren Bekanntheitsgrad und viele Follower in den sozialen Netzwerken können wir etwas an die Gesellschaft zurückgeben.
Was ist denn für Euch persönlich der Inbegriff eines Abenteuers?
Paul: Wir wollen uns immer selbst ein Bild über Land und Leute machen, weil wir glauben, dass es die eigene Erfahrung anders sein wird als das, was uns viele andere Menschen hier glaubhaft machen wollen. Der Inbegriff eines Abenteuers heißt für uns aber auch, Grenzen neu auszuloten. Unsere Fahrradtour nach Shanghai hat uns vorher keiner zugetraut. Geschafft haben wir das trotzdem – auch ohne Radsporttraining oder Russisch- und Chinesisch-Kenntnisse. Und jetzt gilt das auch für unser neues Alaska- Projekt. Trotz wilder Bären, Eis, Kälte und Schnee wollen wir zeigen, dass es normale Menschen mit der richtigen Planung doch durch 4.000 Kilometer sehr unwegsames Gelände schaffen können.
Dafür habt Ihr selbst ein pedalbetriebenes Amphibienfahrzeug entwickelt. Aber was genau treibt Euch an?
Hansen: Es ist einerseits unsere unbändige Lust auf dieses Abenteuer. Wir wollen damit aber auch für mehr Naturverbundenheit und Klimaschutz eintreten – und damit den Schutz von Menschen und Tieren. Wenn wir es schaffen, ausschließlich mit eigener Pedalkraft 4.000 Kilometer abseits asphaltierter Straßen Alaska zu durchqueren, dann schaffen es auch alle anderen, mit dem Rad statt dem Auto zur Arbeit zu fahren. Alternativen sind immer eine Frage des Willens.
Paul: Der Nachhaltigkeitsaspekt ist uns natürlich wichtig. Der Antrieb kommt aber auch daher, dass wir schon seit Jahren davon träumen, ein eigenes Amphibienfahrzeug zu bauen und mindestens genauso lange Lust haben, Alaska einmal selbst zu erleben.
Jetzt fragt sich aber jeder Schüler oder Student: Wie können die sich das überhaupt leisten?
Paul: Das Thema Geld ist immer ein Knackpunkt. Für das Alaska-Projekt reicht unser Erspartes nicht aus, hier sind wir auf Sponsoren angewiesen. Zudem gibt es Einnahmen durch Buchverkäufe, Workshops und Vorträge. Ein Vortrag hat uns auch mal nach Bad Zwischenahn geführt. Viele Einheimische hatten Lust darauf, noch mehr von der Welt zu entdecken. Das verbindet uns auch. Aber was sich so einfach anhört, ist zeitlich betrachtet jede Menge Arbeit – auch wenn es kein klassischer Bürojob ist.
Auch das Drehen und Schneiden für unseren wöchentlicher Video-Blog dauert einige Stunden. Tatsächlich arbeiten wir an sieben Tagen in der Woche, bei einer klassischen Festanstellung würde sicherlich mehr rumkommen. Diesen Preis zahlen wir aber gerne, um unsere Träume zu erreichen.
Wieviel Disziplin gehört dazu, sich in den Projekten nicht zu verlieren?
Hansen: Disziplin brauchen alle, die ein Ziel erreichen wollen. Egal in welchem Bereich. Und so haben wir beispielsweise auch ganz strukturierte Tagesabläufe, meistens starten wir um 8 Uhr in der Werkstatt. Unsere Herausforderung ist eher, dass wir beim Basteln oft kein Ende finden. Vor allem Paul arbeitet hier schnell mal neun oder zehn Stunden. Wir müssten also viel disziplinierter mit uns selbst sein uns selbst etwas einbremsen für eine bessere Work-Life-Balance. Unser neue Abmachung: Für jede Stunde die Paul mehr arbeitet, arbeite ich eine Stunde weniger. Mal schauen ob es klappt.
Wie schwer würde sich Euch der Einstieg in ein normales Arbeitsleben fallen?
Paul: Theoretisch wäre das sicherlich möglich. Nach dem Mediendesign-Studium habe ich ja auch
schon als Web- und App-Entwickler gearbeitet. Ich würde das aber nicht mehr unbedingt wollen. Also generell eine Festanstellung bei einem Unternehmen wird eher schwierig. Ich glaube, dass wir durch unsere Reisen so viel mehr Erkenntnisse gewinnen, mit denen wir die Menschen anregen können. Das ist das übergeordnete Ziel: Menschen davon zu inspirieren, ihre Träume umzusetzen und die Welt zu entdecken. Ob wir das dann als Autoren oder Coaches machen, wird sich entwickeln.
Warum wollt Ihr Eure Erfahrungen weitergeben?
Paul: Weil wir selbst gemerkt haben was passiert, wenn allein durchs Reisen Vorurteile oder die Angst vor dem Fremden abgebaut werden. Wir leben in einer globalisierten Gesellschaft in der nicht nur immer mehr Deutsche in andere Länder wandern, sondern viele andere Kulturen zu uns kommen. Umso wichtiger ist es, diese Kulturen auch zu verstehen und nicht auszugrenzen.
Hansen: In Deutschland hatten Jugendliche in den vergangenen Jahrzehnten das Glück, in einer Demokratie aufzuwachsen, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zu nutzen, die beste Bildung zu genießen, frei zu leben und überall hin Reisen zu können. Es gibt wenige Nationen, denen das so umfangreich möglich ist. Wir empfinden es auch als Pflicht, diese Privilegien weitergeben zu können. Und das geht nur durch eine unvoreingenommene Weltsicht.
Wem gebt Ihr Euer Reisewissen am liebsten weiter?
Hansen: Aktuell gehen wir sehr gerne an Schulen und arbeiten mit Kindern. Deren Augen leuchten förmlich, wenn wir von unseren Abenteuern berichten. Und in ihnen flammt dann auch eine ganz eigene Sehnsucht auf. Da können wir viel mehr erreichen als vor einer Gruppe bodenständiger Manager, denen es vielleicht nur um Geschäftsoptimierung durch Abenteuerdenken geht. Letzteres ist nicht unser Ziel. Wenn wir Kinder von der Welt begeistern können und sie dadurch zum Reisen kommen, dann gewinnen wir zugleich auch aufgeschlossene Menschen mit einem besseren Verständnis dafür, dass Fremdenfeindlichkeit ein kompletter Irrweg ist. Reisen kann die Gesellschaft nur besser machen.
Was sind Eure wichtigsten Tipps für Reiselustige, die Euch nacheifern möchten?
Paul: Ganz wichtig ist auf jeden Fall, sich grundsätzlich nicht vor bürokratischen Hürden oder Angst vor Herausforderungen abschrecken lassen. Nach der Schule war ich ein Jahr in Australien. Gescheitert wäre das beinahe am damals sehr aufwändigen Antrag für das Visum. Zum Glück habe ich mich nicht entmutigen lassen. Überhaupt sollte jeder den Mut aufbringen, in Länder zu gehen, die auf den ersten Blick nicht so wahnsinnig interessant, reisefreundlich erscheinen. Gerade direkt nach der Schule ist das prägender, als einfach direkt mit dem Studium weiterzumachen. Zumal weil viele Reisende erst durch diese Auszeit merken, was sie wirklich interessiert und was sie einmal machen wollen.
Hansen: Bei meinen ersten Reisen gab es weder Facebook noch Instagram. Ich habe meinen Standort nie mit jemandem genau geteilt, schon gar nicht live. Bilder habe ich analog gemacht. Dahin will ich technisch gesehen nicht zurück. Aber ein wichtiger Teil des Reisens war und ist, dass ich mich offline wirklich einem Ort annähere. Ihn einfach mal für mich habe, vor Ort bin – ohne gedanklich in der Online-Welt zu sein und quasi zeitgleich Eindrücke poste. Wenn ich damals von unterwegs aus einer Telefonzelle zu Hause angerufen habe, dann saß ich gefühlt wieder am heimischen Wohnzimmertisch, herausgerissen aus meiner Reise-Welt. Es ist auch heute sicher besser, nicht jeden Moment medial mitzuteilen. Mal eine Woche oder zwei offline zu Reisen bringt einem viel, viel mehr!
Mehr Informationen zu den Reiseprojekten von Hansen und Paul Hoepner gibt es unter: www.hoepner-hoepner.de