Stadion für alle?

Foto: Renée Repotente

Ist der Stadionneubau in Donnerschwee bereits beschlossene Sache? Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen den neuen Standort und dessen einseitige Befürwortung durch Verwaltung und Politik.

Mit dem Aufstieg des VfB Oldenburg in die dritte Liga ist das Thema eines möglichen Stadionneubaus wieder in den Fokus gerückt. Konkret geht es um den Standort Maastrichter Straße, direkt zwischen den Weser Ems Hallen, der Berufsschule und angrenzend an die derzeit größten Hundefreilauffläche im Stadtgebiet. Laut der lokalen Tageszeitung stehen alle Zeichen auf Neubau – sowohl von Seiten der Politik als auch der Bevölkerung. Ob Letzteres tatsächlich der Fall ist, bezweifelt die vor Kurzem gegründete Bürgerinitiative Stadionbau. Ihre Mitglieder möchten einen transparenten, offenen und auch kritischen Austausch führen. Es sind Anwohner*innen, Hundebesitzer*innen, Klimaschützer*innen, Bürger*innen aus anderen Stadtteilen mit unterschiedlichen Motiven, die aber mit einem gemeinsamen Ziel zusammengefunden haben: Sie möchten aufzeigen, dass es wichtige Gründe gibt, die gegen einen Neubau in Donnerschwee sprechen. Sie argumentieren, dass öffentliche Aussagen zugunsten eines Neubaus im Gegensatz zu baulichen, ökologischen, klimatechnischen und nutzungsbezogenen Gegebenheiten stehen. Und Verwaltung und Politik? Schweigen dazu bzw. scheinen sich der Diskussion erst gar nicht stellen zu wollen. Das scheint System zu haben, glauben Gesa Gerding, Stephanie Walter und Stephan Arndt von der Bürgerinitiative. Sie haben zunehmend den Eindruck, dass ihr Anliegen nicht gehört werden will.

Oldenburgs größte Hundefreilauffläche: Im Falle eines Stadionneubaus würde hier eine Parkfläche entstehen (Foto: Renée Repotente)

Das beginnt bereits mit der einseitigen Berichterstattung in der Zeitung, die die BI von vornherein in ein unvorteilhaftes Licht stellt – entsprechende Reaktionen gab es dann auch in den sozialen Medien. Eine darauffolgende Bürgerumfrage im Internet diente als Grundlage für die Schlagzeile, dass die Mehrheit der Oldenburger*innen für das neue Stadion sei. Eine fragwürdige Behauptung – das sah auch der Deutsche Presserat so und sprach eine offizielle Missbilligung aus. An der Haltung des lokalen Presse-Platzhirsches änderte dies jedoch nichts.

„Das ist wie David gegen Goliath“, beschreibt Stephan Arndt zu Beginn unseres Gespräches die Situation. Die Bürgerinitiative hat in kurzer Zeit bereits viele Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen gefunden, jedoch fehlt ihr nach wie vor eine breitere Öffentlichkeit. Die politischen Fraktionen halten sich zurückhaltend bis vage in ihrer Bereitschaft, das Thema von mehreren Seiten zu beleuchten in den Rat zu bringen. Jedoch werden Infoveranstaltungen der Parteien auf einmal von Sportfunktionären begleitet, das Anliegen der BI auch hier nicht thematisiert. Sind es reine pro-Stadion Veranstaltungen geworden?

Gesa Gerding, Stephanie Walter und Stephan Arndt und die anderen Mitglieder der Bürgerinitiative lassen sich allem Gegenwind zum Trotz nicht entmutigen. Alle zwei Wochen treffen sie sich im Sportpark Donnerschwee, um sich in lockerer Runde auszutauschen, Briefe an die Ratsmitglieder zu verfassen, ebenso Schreiben an die Parteien, Beiträge für Bürgerfragen bei den Ratssitzungen vorzubereiten. Jetzt drängt die Zeit – es scheint, als wollten sich die Parteien zum Thema Stadionbau noch vor Weihnachten entscheiden. Eine Bürgerbefragung wurde von der Politik (mit Ausnahme der Grünen) abgelehnt – völlig unverständlich, wie Gerding, Walter und Arndt finden. Sie kritisieren, dass die breite Bevölkerung – mal wieder – außen vor gelassen wird, weil Verwaltung und eine Mehrheit der Fraktionen den Neubau anscheinend mit allen Mitteln durchsetzen wollen. „Mit Demokratie hat das nicht viel zu tun“, sagt Stephan Arndt.

Dabei gilt es gerade vor dem Hintergrund der Entwicklungen der letzten Jahre, u.a. der zu erreichenden Klimaziele, einer nachhaltigen Städtebaupolitik oder auch einer sorgfältigen Finanzplanung, einen Neubau auf Herz und Nieren zu prüfen. Eben darauf möchte die Bürgerinitiative Stadionbau aufmerksam machen. Auf ihrer Website verweist sie auf etliche Widersprüche, in denen sich öffentliche Aussagen zu den eigentlichen Ist-Zustände befinden.

„Dieselben Ratsmitglieder, die das Klimaziel 2035 verabschiedet haben, stimmen nun voraussichtlich für das neue Stadion. Wie wollen sie das miteinander vereinbaren?“, kritisiert Gesa Gerding die Haltung der Politik. Der Bau eines klimaneutralen Stadions würde zudem das geplante Budget bei Weitem übersteigen – tatsächlich sieht dieses gar keine klimaneutrale Bauweise vor. „Das ursprünglich veranschlagte Budget von rund 34 Millionen Euro wird auch so überzogen“, fügt Arndt hinzu. „Die Bürger*innen geraten so in eine permanente Verschuldung. Und was ist mit den anderen Vereinen? Die Auflagen des DFB erlauben keine weiteren sportlichen Aktivitäten auf dem Drittliga Rasen. Das vielgepriesene Konzept vom ‚Stadion für alle‘, einem Multifunktionsstadion, geht nicht auf.“

Ebenso wenig wie der Standort an der Maastrichter Straße sowohl verkehrs-, lärmtechnisch und ökologisch einem modernen Stadion-Konzept entspricht. „Man hat schon beim Kramermarkt gesehen, wie groß die Verkehrsbelastung im Zentrum ist, man stelle sich vor, wie große sie bei den Heimspielen des VfB sein wird“, so Stephanie Walter. „Das Argument der Lärmbelastung für die Anwohner*innen, das gegen den Standort Marschweg herangezogen wird, spielt für Donnerschwee auf einmal keine Rolle.“ In anderen Städten werden neue Stadion-Projekte in den Außenbereichen oder Vororten geplant. „Allein schon zum Schutz der bestehenden Grünflächen und um der steigenden Versiegelung von Flächen entgegenzuwirken. Zudem enthält der Boden des Areals um Hundewiese und der Aufschüttung eine Menge Altlasten, die im bodentechnischen Gutachten nicht aufgeführt werden“, sagt Walter. Stephan Arndt erinnert daran, dass sich an diese Stelle vor gar nicht allzu langer Zeit noch ein Wald befunden hat – „die grüne Oase von Donnerschwee“ –, der praktisch über Nacht gerodet wurde.

Die Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2017 und ein neues Gutachten aus 2022 werden von der Bürgerinitiative ebenfalls kritisch hinterfragt. „Beide Gutachten wurden von einem Planungs- und Architekturbüro erstellt, das auf Stadienbau spezialisiert sind und u.a. auch Stadien in Katar gebaut hat. Will Oldenburg wirklich Gutachten haben, die von einem fragwürdigen Partner erstellt werden? Wo bleibt ein weiteres, unabhängiges Gutachten?“, fragt Gesa Gerding, die selbst Mitglied im VfB ist. Sie ist eine der kritischen Stimmen im Verein, was zeigt, dass auch hier keine einhellige Meinung herrscht. Wie repräsentativ ist die öffentliche Darstellung pro Stadion also wirklich? Gesa Gerding, Stephanie Walter, Stephan Arndt und die anderen Mitglieder der Bürgerinitiative möchten mehr Transparenz und Fairness in die Diskussion um den Stadionneubau bringen. Sie möchten aufzeigen, dass es notwendig ist, das Thema mit allen vorliegenden Faktoren zu betrachten und neu zu diskutieren – und vor allem die Bürger*innen dabei mitzunehmen.

Auf ihrer Website www.bi-stadionbau.de informiert die Bürgerinitiative ausführlich über die bisher recherchierte Faktenlage. Auch in den sozialen Medien kann man ihre Arbeit mitverfolgen (auf Facebook unter Bürgerinitiative Stadionbau, auf Instagram unter bi_stadionbau).

Kontakt: info@bi-stadionbau.de

Kommentare

Eine Antwort zu “Stadion für alle?”

  1. Locke sagt:

    Baut das Teil und gut ist. Hundefreifläche kann neben dem MWS hin. Bei den ganzen Hallen gab es zufällig keine BI..

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