„Der Humanunternehmer“

Foto: privat

Gunnar Barghorn über Fehlerkultur, neue Denkmuster und sein erstes Buch

Im ersten Teil dieses Interviews (Unser Brake 09/2021) sprachen wir mit Gunnar Barghorn über den Begriff „Humanunternehmen“ und die Transformation in seinem eigenen Unternehmen. Im zweiten Teil erzählt Barghorn davon, wie aus einer Buchidee eine ganze Produktreihe wurde.

Unser Brake: Darf man im Unternehmen auch Fehler machen?


Gunnar Barghorn: Ich persönlich finde Fehler megageil. Hört sich vielleicht erst mal komisch an. Fehler kosten in der Regel ja erst mal Geld. Ich finde jedoch, dass dies ein sehr wertvolles Lehrgeld ist. Ich versuche, aus jedem größeren Fehler eine Heldengeschichte zu machen, die ich auch allen im Unternehmen erzähle, vor allem davon, was wir daraus lernen oder auch deswegen anders gemacht haben. Dabei frage ich mich immer: Was war das Besondere an diesem Fehler? Wie kann ich das am besten kommunizieren? Und natürlich fängt man bei seinen eigenen Fehlergeschichten an. Man sollte als Chef seine Vorbildfunktion erfüllen, dann bekommen auch die Mitarbeiter keine Angst mehr, eigene Fehler aufzuzeigen. Und sie haben deswegen auch weniger Angst, Entscheidungen zu treffen. Sich nicht zu entscheiden, bedeutet Stillstand, fehlender Mut – das finde ich am schlimmsten, ebenso wie Unehrlichkeit. Es geht also viel um Haltungen, um Denkmuster. Auch etwas, das man nicht mal eben so in einem Unternehmen implementiert. Das dauert Jahre. Man muss diejenigen Leute erst einmal dafür gewinnen, die dieses Konzept mittragen wollen.

UB: Wie schaffen Sie ein bedürfnisorientiertes Betätigungsfeld für Ihre Mitarbeiter? Fragen Sie das ab? Gibt es Parameter, die für alle anwendbar sind?


GB: Bisher ist das dialogorientiert, basierend auf den Gesprächen mit den Mitarbeitern. Ich gehe z. B. jeden Morgen durch die Firma und begrüße jeden mit Handschlag, sofern Corona das wieder zulässt. Wichtig ist dann der Blickkontakt, wichtiger noch als das, was gesprochen wird. Wie geht es demjenigen gerade? Wo steht er, welche Herausforderungen stellen sich gerade im Leben? Sollte ich dann länger im Gespräch mit ihm bleiben? Oft kommen die Mitarbeitenden zu mir und eröffnen das Gespräch, wenn bei ihnen etwas quersitzt. Eine unglaublich wertvolle Kommunikationsform. Die wichtigste Frage dabei ist: Was braucht es, um ihnen die Arbeit zu erleichtern? Wobei es vor allem aufseiten der Mitarbeitenden den Tenor gibt, dass sie in ihrer Arbeit nicht behindert werden wollen. Sie wissen genau, was sie tun, möchten aber keine störenden Verzögerungen, z. B. zu viele Kontrollzwänge haben. Das kann ich ihnen abnehmen, indem der Arbeitsplatz so ‚gebaut‘ wird, dass das nicht mehr nötig ist.

UB: Wie lange haben Sie an Ihrem Buch „Der Humanunternehmer“ geschrieben?


GB: Vier Wochen. Im April 2020 habe ich angefangen. Das Buch gibt es ja in zwei Varianten, einmal mit und einmal ohne ‚Bonus-Track‘. Der Bonus-Track ist die Geschichte des Unternehmens. Die sollte eigentlich der Anfang des Buches werden. Ich habe mir jemanden gesucht, die Unternehmer-Porträts schreibt. Für die Geschichte der Firma hat das gut funktioniert. Beim Thema Humanunternehmen hat sich jedoch herausgestellt, dass das mit der Erzählform in der dritten Person nicht funktionierte, das merkte ich bereits beim ersten Kapitel. Also habe ich den Text umgeschrieben – und habe nicht wieder aufgehört zu schreiben … Das ging dann auf einmal sehr schnell, in einem Rutsch. Ich habe in jeder freien Minute geschrieben, nach Feierabend, an den Wochenenden … Dann hat das Buch ein Dreivierteljahr ‚gereift‘ – so wie guter Wein. Ich habe es in dieser Zeit vielen Bekannten, Freunden und Testlesern geschickt und sehr wertvolle Reaktionen darauf erhalten. Auch habe ich in dieser Phase mit einem professionellen Lektor zusammengearbeitet, was eine sehr gute Entscheidung gewesen ist. Er hat mir auch den Tipp gegeben, am Ende jedes Kapitels Fragen zur Reflexion zu stellen, um hier das Kapitel noch einmal Revue passieren zu lassen.
Das Taschenbuch ist dann im Eigenverlag und -vertrieb erschienen. Die gebundene Ausgabe mit dem ‚Bonustrack‘ Unternehmensgeschichte kann man regulär über den Buchhandel beziehen. Für das Hörbuch bin ich nach Berlin gefahren und habe das Buch in einem professionellen Studio eingelesen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

UB: Dabei ist es aber nicht geblieben …


GB: Es gab also Buch, eBook, Hörbuch … Daraufhin habe ich viele Rückmeldungen anderer Unternehmer bekommen, die mich gefragt haben: „Wie mache ich das genau für meine Firma?“ In meinem Buch fordere ich ja auch dazu auf, sich aktiv mit mir in Verbindung zu setzen, mir Fragen und Meinungen zu schicken. Also habe ich zusätzlich daraus noch ein Arbeitsbuch für ein Humanunternehmen entwickelt, das man Schritt für Schritt durchgehen kann. Wer sich richtig darauf einlässt und für sein Unternehmen etwas erreichen will, der ist locker ein halbes Jahr damit beschäftigt. So ist also aus dieser Grundidee eine ganze Reihe an Produkten entstanden – übrigens eine prima Idee als Weihnachtsgeschenk. Auch Anfragen für individuelle Coachings habe ich bereits bekommen. Diese leite ich aber an Profis aus meinem Netzwerk weiter, denn ich will mich ganz auf das eigene Unternehmen, das Schreiben und das Halten von Vorträgen konzentrieren. So möchte ich gerne möglichst viele Unternehmerinnen und Unternehmer für mehr Leichtigkeit in Unternehmen, für sich selbst und die Mitarbeitenden begeistern.

Gunnar Barghorn: Der Humanunternehmer
facilitas-Verlag, Brake 2021
www.humanunternehmer.de

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